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Der interessante Praxisfall: Amalgam-Quecksilbervergiftung

Vor einigen Jahren kam eine junge Frau in meine Praxis, die ein Orthopäde aus einer anderen Stadt zu mir geschickt hatte. Bei ihm war sie als neue Patientin zur 47. Chirotherapie für die Halswirbelsäule innerhalb eines Jahres erschienen. Sie klagte über dauerhafte, starke, seit vielen Jahren bestehende Kopfschmerzen. Der Kollege lehnte im Gegensatz zu anderen Fachkollegen die in diesem Fall offenbar insuffiziente Behandlung ab und schickte sie zu mir.


Sie brachte eine Arztliste von mehr als 50 Ärzten quer durch die ganze Bundesrepublik mit, in der alle Facharztgruppen gleich mehrfach vertreten waren. Leider hatten alle Konsultationen bisher wenig Erfolg gebracht bei ihrem chronischen Schulter-Halswirbelsäulen-Kopfschmerzsyndrom. Nachdem ?alles ohne Erfolg gemacht? worden war, was üblicherweise bei derartigen Schmerzkranken unternommen wird, hatte ich nach anderen als den üblichen Ursachen zu suchen.

Aufnahmebefund

Bei der gründlichen Untersuchung der Patientin fiel neben Haltungsstörungen und offenbar chronischen Darmstörungen auf, daß der ganze Mund voll recht minderwertig aussehendem korrodiertem Amalgam war. Auf Befragen gab sie an, daß das Amalgam aus DDR-Zeiten stammte. Aus Gesprächen mit engagierten naturheilkundlich arbeitenden Zahnärzten und aus entsprechender Literatur weiß man, daß DDR-Amalgam zum Devisensparen mit weniger Silber gefertigt wurde. Daß diese Mischungen minderwertig waren und mehr Quecksilber im Körper freisetzten, wußten viele Verantwortliche durchaus. Aber Devisensparen war eben das Ziel. Die Gesundheit der Werktätigen wird dabei leicht zur Nebensache - wie wir ja auch bei uns im wohlhabenderen Westen alle Tage wieder erleben können.

Die AK-Testergebnisse ergaben neben den erwarteten Darmbelastungen mit Candida bzw. mit durch Metronidazol zu behandelnden Keimen auch einen Hinweis auf eine Schwermetallbelastung. Da schon vereinzelt mit Nystatin und Diäten eine Candidasanierung versucht worden war, begannen wir zunächst mit dem Aufbau einer umfassenden orthomolekularen Versorgung.

Therapie

Die Vorbehandlung umfaßte ca. 10 Wochen intensiver orthomolekularer Therapie. Eingesetzt wurde neben viel Zink, Selen, Mangan und Chrom, aber auch Magnesium, Calcium, ungesättigte Fettsäuren als Lachsöl sowie verschiedene Vitamine von A+E über Vitamin B-Komplex bis Q10 Vitamin C. Alle eingesetzten Produkte sind hypoallergene orthomolekulare Therapeutika ? hoT-Produkte aus Deutschland, die der Patientin erstmalig zumindest zeitweise eine völlige Schmerzfreiheit brachten.

Anschließend führten wir einen Schwermetalltest mit Dimaval durch. Dabei wird nach einer Nüchtern-Urinabgabe das Präparat Dimaval ? ein Schwermetallfänger, chemisch ein Chelat ? in die Vene gespritzt und nach exakt 45 Minuten abermals Urin abgegeben. Beide Urinproben werden anschließend im Labor untersucht und sowohl die sogenannte Leerausscheidung, also ohne Dimaval, als auch die Belastungsausscheidung gemessen.
Das Ergebnis war eine einzige Katastrophe. Wir hatten den wahrscheinlich weltweit höchsten Spitzenwert bei Quecksilbervergiftungen durch Amalgam gefunden: Fast 5000 Mikrogramm pro Milliliter bei einem Grenzwert für Gesunde von nicht mehr als 20 Mikrogramm!

Tabelle 1: Ergebnisse der Schwermetall-Untersuchungen nach Daunderer

 

Sofort begannen wir mit der Ausleitung des Quecksilbers in vielen etwa 4-wöchigen Zyklen, die jeweils wieder durch eine reine Substitutionsphase mit dem sogenannten Wohlfühlpaket ? d.h. mit Lachsöl, Spurenelementen und Magnesium-Calcium - von ca. 4 Wochen unterbrochen wurden. Zur Ausleitung wurde eine hypoallergen verkapselte Succimer-Präparation ohne technische Hilfs- und Farbstoffe eingesetzt, die eine nahe gelegene Apotheke speziell für meine Praxis fertigt. Die Patientin wurde annähernd 3 Jahre auf diese Weise ausgeleitet, wobei es ihr nach wenigen Monaten unter der Ausleitung oft richtig gut ging.

Tabelle 2: Therapieregime intermittierend

 

Als wir schon weitgehende Schmerzfreiheit bei voller Arbeitsfähigkeit erreicht hatten, zog die Patientin mit ihrer Arbeitsstelle in einen gerade errichteten Neubau. Innerhalb weniger Stunden stellten sich am neuen Arbeitsort wieder schwerste Kopfschmerzen in Verbindung mit Durchfällen, Darmkrämpfen und wechselnder Übelkeit ein. Andere Kolleginnen hatten zum Teil Probleme mit Kopfschmerzen, Augenbrennen, Schulter-Arm-Syndromen, Hauterkrankungen sowie Dysmenorrhoen oder Zyklusstörungen usw.

Vom Arbeitgeber wie Betriebsarzt wurden diese Symptome im Zusammenhang mit Umweltbelastungen wie leider üblich negiert, so daß die Patientin letztlich allein mit ihren Problemen fertig werden mußte.

Wir hatten die Luft vom Arbeitsplatz der Dame mit der AK getestet und als Ausgleich verschiedene ungesättigte Fettsäuren neben den Spurenelementen, B-Komplex plus und Q10 Vitamin C gefunden. Im nächsten Halbjahr nahm die Patientin, wenn sie arbeiten mußte, bis zu 50 Kapseln verschiedener Öle täglich neben den angesprochenen anderen Orthomolekularia, um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
Meinen Vorhalt, daß das vielleicht doch etwas viel Öle seien, die sie neben einigen Teelöffeln Leinöl täglich zu sich nahm, konterte sie mit dem Hinweis, sonst einfach nicht arbeitsfähig zu sein.

Inzwischen hat die Patientin ihre Arbeitsstelle gewechselt und nimmt wieder normale Dosen jener Orthomolekularia, von denen sie das Gefühl hat, sie aktuell zu brauchen. Dieses Gefühl hat sie in zahllosen Gesprächen über gesunde zusatzstofffreie Ernährung, Selbstbeobachtung und Selbstversuchen innerhalb von etwa 2 Jahren sehr sensibel entwickelt. Die innere Sicherheit dieser Selbstbeobachtung wurde ihr selber erst richtig klar, als sie in Frankreich an einer Hochzeit teilgenommen hatte. Wir hatten zuvor noch einmal eingehend besprochen, wie sie sich verhalten solle bei dem zu erwartenden 12- bis 15-gängigen Hochzeitsmenue und den verschiedenen Getränken und Weinen.

Nach ihrer Rückkehr berichtete die Patientin ganz stolz: ?Ich habe nur das gegessen, was mir beim Ansehen das Gefühl gab, es wäre gut für mich. Genau so habe ich es mit den Getränken gehalten. Wir feierten von nachmittags bis zum nächsten Morgen um 5 Uhr. Um 9 Uhr war das Frühstück angesetzt. Und stellen Sie sich vor: Ich war die Einzige, die fit war nach dieser durchfeierten und durchtanzten Nacht! Jetzt habe ich gewonnen gegenüber dem ganzen Nahrungsmüll, den man heute so angeboten kriegt!?

Nachzutragen ist, daß die Patientin jetzt nach fast 3 Jahren Ausleitung angefangen hat mit der Amalgamsanierung der Zähne. Hätte man das vorher gemacht, wissen wir nicht, was man ihr damit gesundheitlich angetan hätte!

Daß ihre Krankenkasse zu den Ausleitungen sowie zur Amalgamsanierung durch den Zahnarzt nichts bezahlt und sich auch weigert, einen Zuschuß zu zahlen, ist für Betroffene sicher nicht neu. Immerhin hat der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) sich schriftlich nach Vorlage unserer Laborbefunde so festgelegt: ?Dimaval ist in der Bundesrepublik nur für akute und chronische Quecksilberintoxikationen zugelassen. Das ist hier nicht der Fall!?

Peter-Hansen Volkmann
Naturheilverfahren - Sportmedizin
Facharzt für Allgemeinmedizin


Amalgam-Vergiftung-Fallbeschreibung.pdf

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